Was passiert mit dem Körper bei minus 196°C?

Frau erlebt Kältetherapie in einer Eissauna bei minus 196 Grad
Cooler Schockzustand

 

Ein Gespräch mit Maike Dohrn - Betreiberin des Geschäfts 196 Grad in Blankenese 

 

Liebe Maike, dein Geschäft, das du im Mai 2019 in Hamburg, Blankenese eröffnet hast, heißt 196 Grad - was genau bietest du an?

Eine Eissauna.

 

Was ist das?

Eine Kältekammer für eine Person, in die man sich hineinstellt, dabei guckt der Kopf oben heraus. An den Händen trägt man Handschuhe und an den Füßen Puschen. Es ist sozusagen eine Kälteanwendung, auf die der ganze Körper reagiert.

 

Was passiert mit dem Körper in der Kältekammer?

Am Anfang der Behandlung wird die Eissauna kurz auf 60°C erhitzt, um die Poren und Gefäße zu öffnen, nach etwa 30 Sekunden strömt flüssiger Stickstoff in die Kammer und wird gleichmäßig verteilt. Bei bis zu minus 196°C ist der Körper dieser sehr trockenen Kälte ausgesetzt. Aber es ist anders als bei eiskaltem Wasser, das ist entscheidend. Hier handelt es sich um farbloses, geruchloses Gas, das nur die Hautoberfläche umgibt. Der Körper wird dadurch besser durchblutet und die Sauerstoffzufuhr verbessert sich sofort.

 

Wie fühlt man sich nach einer Sitzung?

Fit for ever! Die Kälte stärkt das Immunsystem. Die Entgiftung wird angeregt. Vor dem Sport spricht man vom Kälte Doping.

 

Was ist das besondere an der Eissauna?

Als ich es das erste Mal probiert habe, war ich geflasht und habe eine extreme Endorphin Ausschüttung erlebt. Ich bin danach zum Sport gegangen und war viel länger leistungsfähiger. Es war eine Glückseligkeit...

 

 

© Tonia Christie

 

Wie lang ist eine Sitzung und wieviel kostet sie?

Eine Behandlung dauert normalerweise zwei bis drei Minuten und kostet um die 50 Euro. Es gibt aber auch immer wieder Angebote zum Kennenlernen, die sind dann günstiger. Man könnte bis zu 5x am Tag in die Eissauna gehen, da die Behandlung keine Nebenwirkungen hat.

 

Warum ist der Preis so hoch?

Weil der Stickstoff so teuer ist. Eine Tonne umfasst um die 350 Liter. Beim flüssigen Stickstoff handelt es sich um eine spezial Lieferung, die von Tankfahrzeugen, die auch Krankenhäuser beliefern, abgefüllt wird.

196°C
Flüssiger Stickstoff für die Eissauna

© Tonia Christie

 

Ist die Behandlung in der Eissauna, die auch Kryotechnik genannt wird, eine anerkannte Therapieform oder gönnt man sie sich einfach für ein schöneres und besseres Körpergefühl?

Beides. Private Kassen können eine Behandlung als Therapie zahlen. Ein paar gesetzliche Kassen erkennen die Behandlung auch an. Mit wiederholender Anwendung können Erkrankungen wie Schuppen-flechte, Rheuma oder Neurodermitis gelindert werden. Die Behandlungen werden auch im Beauty, Sport und Medizin Bereich angewendet. Die Sauerstoff Versorgung und der Stoffwechsel werden aktiviert. Eine Behandlung kann leistungssteigernd und regenerierend wirken. Deshalb bevorzugen Leistungssportler diese Behandlung oft vor den Spielen oder Einsätzen.

 

Woher kommt die Eissauna ursprünglich?

Aus Japan. Sie wurde 1980 vom japanischen Arzt Dr. Toshima Yamauchi entwickelt. Das war die erste Kältekammer für therapeutische Zwecke weltweit, ein sogenannter begehbarer Kühlraum mit einer Temperatur von bis zu -110°C. Seit den 80er

Jahren gibt es die Kältekammern auch in Deutschland in den Reha Zentren.

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